Ostsee-Reitturnier Wittenbeck
Kühlungsborn gehört zu den renommiertesten Ostseebädern. Aber auch durch Pferdezucht und Pferdesport ist die Region seit Jahrzehnten bekannt. Dies geht in erster Linie auf Paul Böldt zurück, dessen Familie im Ortsteil Fulgen zu Hause ist.
1953 kaufte Paul Böldt am östlichen Rand der Stadt, nur einen Steinwurf von der Ostsee entfernt, einen Bauernhof mit 38 ha. Pferde gehörten von Anfang an dazu. Später, als die Bauern gezwungen wurden, nach russischem Vorbild in die landwirtschaftliche Genossenschaft (LPG) einzutreten, machte man Paul Böldt in der LPG „Waterkant“ Kühlungsborn zum Leiter der Tierproduktion, zu der neben Rinder und Schweine auch Pferde gehörten. Die Pferde standen mehrheitlich auf seinem Hof. Unter seiner Leitung begann eine blühende Pferde-zucht mit regelmäßig 10 bis 15 Zuchtstuten.
Sohn Hans-Jürgen hat das Pferdegen seines Vaters geerbt und wurde Turnierreiter. Weil auch sein jüngerer Bruder Reinhard anfing zu reiten, wurde eine Sektion Pferdesport gegründet, die sich der BSG „Waterkant“ Kühlungsborn anschloss. Hans-Jürgen Böldt wurde zu einem der erfolgreichsten Springreiter im Norden der DDR und später in MV. Sein Pferd Diskaro, das Vater Paul 1983 gegezüchtet hat, gehörte zu den leistungsstärks-ten Pferden jener Zeit.
Nach 1990 kauften die Böldt’s einen Teil der LPG Pferde, bewirtschafteten ihren Hof wieder selbst und grün-deten neben der Landwirtschaft einen Reiterhof. Sie gehörten zu den ersten im Land die eine Reithalle bauten.
Schon bald organisierte die Sektion Pferdesport Kühlungsborn, aus der nach 1990 der RV Waterkant/Kühlungsborn e.V. hervorging, auch Reitturniere. Weil es in Kühlungsborn keine passende Fläche für einen Turnierplatz gab, ging man in den LPG Betriebsteil Wittenbeck und wählte eine Wiese als Veranstaltungsplatz aus, unmittelbar an der Verbindungsstraße Bad Doberan-Kühlungsborn gelegen. Die Möglichkeit der Nutzung eines Sozialtraktes der angrenzenden Sportanlage, wertete die Reitturniere auf.
Seit 1978 werden in Wittenbeck Anfang August nun schon Reitturniere organisiert. In manchen Jahren wurden mehr als 1.000 Startmeldungen registriert. Inzwischen sind die Teilnehmerzahlen etwas rückläufig, wie überall in Deutschland. Das diesjährige Ostsee-Turnier ist für den 1. und 2. August geplant. Es gibt Dressur- und Springprüfungen bis zur mittelschweren Klasse. Insgesamt sind 26 Prüfungen und Wettbewerbe ausgeschrieben. 10 finden im Dressurviereck statt. In 15 geht es auf dem Springplatz über Hindernisse. Hinzu kommt ein Wettbewerb für Kinder am Führzügel.
Für alle Kategorien von Reitern sind Startmöglichkeiten dabei. Sieben Wettbewerbe sind für Einsteigern in den Turniersport vorgesehen. Fünf Prüfungen sind jungen drei- bis siebenjährigen Pferden vorbehalten. In acht Prüfungen können Reiter, die Mitglied in einem Reitverein des Pferdesportbundes des Landkreises Rostock sind, Wertungspunkte für die Kreismeisterschaft bekommen. Online-Meldeschluss für das Turnier ist am 21. Juli. Dann wird sich zeigen wie hoch die Beteiligung in diesem Jahr sein wird. (fw)
